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Journal

Statine und Coenzym Q10: Ist die Einnahme sinnvoll, und kann man beides zusammen einnehmen?

Statine bremsen die körpereigene Cholesterinbildung, und über denselben Stoffwechselweg entsteht auch Coenzym Q10. Mehrere Studien haben unter der Behandlung einen Rückgang seines Blutspiegels gemessen. Daraus ergibt sich eine sehr häufige Frage: Sollten Sie es zusätzlich zu Ihrem Statin einnehmen? Die Studien zu Muskelschmerzen kommen dagegen zu gegensätzlichen Ergebnissen.

Von der Layer-Nutrition-Redaktion

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Inhalt
  1. Warum senken Statine das Coenzym Q10?
  2. Sollte man bei Statinen Coenzym Q10 einnehmen?
  3. Was sagen Metaanalysen zu Coenzym Q10 und Muskelschmerzen?
  4. Welche Dosierung von Coenzym Q10 wurde mit Statinen untersucht?
  5. Kann man Coenzym Q10 und Statine zusammen einnehmen?
  6. Ubiquinol oder Ubiquinon: Welche Form bei Statinen?
  7. Was ist nicht belegt?

Warum senken Statine das Coenzym Q10?

Statine hemmen ein Enzym, die HMG-CoA-Reduktase, das den Weg der Cholesterinbildung eröffnet. Coenzym Q10 entsteht über denselben Weg, den Mevalonatweg, sodass ein Rückgang seines Blutspiegels unter Statinen zu erwarten war1,2.

Eine 2015 veröffentlichte Metaanalyse fasste die placebokontrollierten Studien zusammen, in denen Coenzym Q10 im Plasma gemessen worden war. Über 8 Behandlungsarme hinweg betrug der mittlere Rückgang 0,44 µmol/L (95-%-Konfidenzintervall: 0,37 bis 0,52). Er zeigte sich bei allen vier untersuchten Statinen (Atorvastatin, Simvastatin, Rosuvastatin und Pravastatin), unabhängig davon, ob der Wirkstoff lipophil oder hydrophil war und ob die Studie kürzer oder länger als 12 Wochen dauerte3.

Die Autoren selbst kommen zu dem Schluss, dass die klinische Bedeutung dieses Rückgangs noch nicht geklärt ist. Das im Blut gemessene Coenzym Q10 gibt nicht direkt Auskunft über den Gehalt in den Muskeln, und das Panel der Europäischen Atherosklerose-Gesellschaft weist darauf hin, dass ein Rückgang auch bei Menschen unter Statinen beobachtet wurde, die keinerlei Beschwerden hatten1.

Sollte man bei Statinen Coenzym Q10 einnehmen?

Keine offizielle Leitlinie empfiehlt es. 2015 schrieb das Konsensus-Panel der Europäischen Atherosklerose-Gesellschaft, es empfehle Coenzym Q10 nicht zur Behandlung oder Vorbeugung statinassoziierter Muskelbeschwerden. Es stützte sich dabei auf eine randomisierte Doppelblindstudie und eine Metaanalyse, die beide negativ ausfielen1.

Diese Position hat die Debatte nicht beendet. Ein US-amerikanisches Team beschrieb Coenzym Q10 im selben Jahr als den verbreitetsten Ansatz gegen Schmerzen, die Statinen zugeschrieben werden, bei Patienten wie bei Ärzten. Die Belege dafür waren begrenzt und widersprüchlich4. Kleine Studien berichteten über einen Nutzen, und eine Metaanalyse von 2018 kam zu diesem Ergebnis5.

Ob Sie es einnehmen, besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, der Ihre gesamte Behandlung kennt. Setzen Sie ein Statin nicht ohne ärztlichen Rat ab und ändern Sie seine Dosis nicht, auch wenn Sie ihm Beschwerden zuschreiben.

In der strengsten Studie vervierfachte sich der Coenzym-Q10-Spiegel im Blut, ohne dass die Schmerzen nachließen.

Was sagen Metaanalysen zu Coenzym Q10 und Muskelschmerzen?

Sie widersprechen sich: Von vier zwischen 2015 und 2022 veröffentlichten Metaanalysen randomisierter Studien kommt nur eine zu dem Schluss, dass Coenzym Q10 statinassoziierte Muskelschmerzen verringert.

  • Banach et al., 2015: 6 Studien, 302 Patienten. Die Schmerzen gingen tendenziell zurück, der Unterschied war jedoch nicht signifikant (standardisierte Mittelwertdifferenz −0,53; 95-%-KI −1,33 bis 0,28). Die Kreatinkinase (CK) veränderte sich nicht6.
  • Qu et al., 2018: 12 Studien, 575 Patienten. Die Autoren berichten über eine Abnahme von Schmerzen (gewichtete Mittelwertdifferenz −1,60; 95-%-KI −1,75 bis −1,44), Muskelschwäche, Krämpfen und Muskelermüdung, ohne Wirkung auf die CK5.
  • Kennedy et al., 2020: 7 Studien, 321 Patienten mit Myalgien. Kein Nutzen bei den Schmerzen (−0,42; 95-%-KI −1,47 bis 0,62) und keiner bei der Fortführung der Statintherapie (relatives Risiko 0,99)7.
  • Wei et al., 2022: 8 Studien, 472 Patienten, davon 4 Studien und 220 Teilnehmer zum Endpunkt Schmerz. Kein signifikanter Nutzen (−0,59; 95-%-KI −1,54 bis 0,36)8.

Die zusammengefassten Studien sind klein, laut der Übersichtsarbeit von 2020 mit jeweils 37 bis 76 Teilnehmern, und sie messen Schmerzen mit unterschiedlichen Skalen7. Die Metaanalyse von 2018 weist selbst auf eine starke Heterogenität zwischen den Studien hin (I² von 89,6 % für Schmerzen), was jede einzelne Schätzung unsicher macht5. Auch die Auswahl der eingeschlossenen Studien beeinflusst das Ergebnis.

Ein letzter Punkt erschwert die Deutung. In der Studie von Taylor et al. nahmen 120 Personen, die Schmerzen ihrem Statin zuschrieben, zunächst verblindet Simvastatin und dann ein Placebo: Nur 36 % hatten Beschwerden unter dem Statin, nicht aber unter Placebo4. Ein Teil der Patienten in den Studien zu Coenzym Q10 hatte also möglicherweise keine durch das Medikament bedingte Myalgie, was den gemessenen Effekt verwischt.

Welche Dosierung von Coenzym Q10 wurde mit Statinen untersucht?

Die Studien testeten 100 bis 600 mg pro Tag über 30 Tage bis 3 Monate, ein Zusammenhang zwischen Dosis und Wirkung auf die Schmerzen wurde nicht gefunden5,6. Drei Studien veranschaulichen diese Bandbreite.

  • 100 mg pro Tag über 30 Tage: Bei 18 Patienten sank die Schmerzintensität um 40 %, während sie sich in der Kontrollgruppe, die Vitamin E erhielt (14 Patienten), nicht veränderte9.
  • 200 mg pro Tag über 12 Wochen: Bei 44 Patienten unterschieden sich der Myalgie-Score und die Verträglichkeit von Simvastatin nicht von der Placebogruppe10.
  • 600 mg Ubiquinol pro Tag über 8 Wochen: Bei 41 Patienten mit bestätigter Myalgie nahmen die Schmerzen unter Simvastatin zu, mit oder ohne Coenzym Q104.

Für diesen Zweck ist also keine Dosis validiert. Das BfR, das Bundesinstitut für Risikobewertung, verzeichnet gelegentliche Nebenwirkungen, vor allem im Verdauungstrakt (Übelkeit, Sodbrennen, Durchfall), bei Dosen von bis zu 300 mg pro Tag. Es betont außerdem, dass die Daten bei gesunden Menschen spärlich sind2.

Kann man Coenzym Q10 und Statine zusammen einnehmen?

In den genannten Studien wurde Coenzym Q10 während der Statintherapie über die gesamte Studiendauer täglich eingenommen; keine verglich verschiedene Einnahmezeitpunkte4,10.

Die Frage nach der Uhrzeit lässt sich also nicht mit einer Studie beantworten. Die veröffentlichten Arbeiten liefern keinen Grund, die beiden Einnahmen um mehrere Stunden zu versetzen, und keine zeigt einen Vorteil, wenn man sie zusammen einnimmt. Eine offizielle Empfehlung dazu gibt es ebenfalls nicht.

Vorsicht ist eher bei anderen Medikamenten geboten. Laut BfR sind mögliche Wechselwirkungen zwischen Coenzym Q10 und Cumarin-Antikoagulanzien (Warfarin, Acenocoumarol) sowie mit Blutdrucksenkern nicht ausreichend untersucht. Das Institut rät Menschen, die diese Medikamente einnehmen, vor der Einnahme von mehr als 100 mg pro Tag ärztlichen Rat einzuholen2. Die Apotheke kann diese Kombinationen anhand des Rezepts prüfen.

Ubiquinol oder Ubiquinon: Welche Form bei Statinen?

Beide Namen bezeichnen dasselbe Molekül: Ubiquinon ist die oxidierte, Ubiquinol die reduzierte Form. Die verfügbaren Studien vergleichen beide nicht direkt in Bezug auf Muskelbeschwerden unter Statinen.

Zum Blutspiegel hat eine kleine Studie beide Formen bei 12 gesunden Freiwilligen verglichen, mit 200 mg pro Tag über jeweils 4 Wochen in identischen Kapseln. Das Coenzym Q10 im Plasma stieg von 0,9 auf 2,5 µg/mL mit Ubiquinon und von 0,9 auf 4,3 µg/mL mit Ubiquinol11. Die Studie ist klein: Sie umfasste 12 Personen, die kein Statin einnahmen, und beide Formen wurden in fester Reihenfolge gegeben, zuerst Ubiquinon, ohne Randomisierung.

Ein höherer Blutspiegel garantiert jedoch keine Wirkung auf die Muskeln. Die Studie von Taylor et al. verwendete gerade Ubiquinol, mit 600 mg pro Tag: Das Coenzym Q10 im Serum vervierfachte sich (von 1,3 auf 5,2 µg/mL), ohne jede Abnahme der Schmerzen4. Ubiquinol erhöht den Blutspiegel in der verfügbaren Studie stärker, hat aber keinen eigenen Nutzen bei den Beschwerden gezeigt.

Was ist nicht belegt?

Drei Punkte sind nicht solide belegt: dass der Rückgang des Coenzym Q10 im Blut die Statinen zugeschriebenen Muskelschmerzen erklärt, dass eine Supplementierung sie lindert und dass sie hilft, die Behandlung fortzusetzen.

Die Metaanalysen von 2015, 2018 und 2022 zeigen keine Wirkung von Coenzym Q10 auf die Kreatinkinase, den Blutmarker für Muskelschäden5,6,8. Der in der Übersichtsarbeit von 2020 gemessene Anteil der Patienten, die beim Statin blieben, ist mit und ohne Nahrungsergänzung gleich7. In Europa hat die EFSA 2010 mehrere gesundheitsbezogene Angaben zu Coenzym Q10 geprüft, darunter den Beitrag zum Energiestoffwechsel, und für keine davon einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang anerkannt: Zugelassen wurde daher keine12.

Die Studien sind nach wie vor wenige, kurz und klein, sodass ein bescheidener Nutzen bei manchen Patienten nicht ausgeschlossen ist. Die verfügbaren Zahlen legen nahe, jedes Versprechen rund um Coenzym Q10 mit Vorsicht zu lesen und das Statin, dessen Nutzen für Herz und Gefäße belegt ist, in den Mittelpunkt der Entscheidung zu stellen.

Quellen

  1. Stroes ES, Thompson PD, Corsini A, et al. Statin-associated muscle symptoms: impact on statin therapy-European Atherosclerosis Society Consensus Panel Statement on Assessment, Aetiology and Management. European Heart Journal, 2015. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov ↑

  2. BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) Coenzyme Q10: what is known about the health risks – and what isn’t?. BfR, 2023. bfr.bund.de ↑

  3. Banach M, Serban C, Ursoniu S, et al. Statin therapy and plasma coenzyme Q10 concentrations--A systematic review and meta-analysis of placebo-controlled trials. Pharmacological Research, 2015. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov ↑

  4. Taylor BA, Lorson L, White CM, Thompson PD. A randomized trial of coenzyme Q10 in patients with confirmed statin myopathy. Atherosclerosis, 2015. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov ↑

  5. Qu H, Guo M, Chai H, et al. Effects of Coenzyme Q10 on Statin-Induced Myopathy: An Updated Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Journal of the American Heart Association, 2018. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov ↑

  6. Banach M, Serban C, Sahebkar A, et al. Effects of coenzyme Q10 on statin-induced myopathy: a meta-analysis of randomized controlled trials. Mayo Clinic Proceedings, 2015. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov ↑

  7. Kennedy C, Köller Y, Surkova E. Effect of Coenzyme Q10 on statin-associated myalgia and adherence to statin therapy: A systematic review and meta-analysis. Atherosclerosis, 2020. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov ↑

  8. Wei H, Xin X, Zhang J, et al. Effects of coenzyme Q10 supplementation on statin-induced myopathy: a meta-analysis of randomized controlled trials. Irish Journal of Medical Science, 2022. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov ↑

  9. Caso G, Kelly P, McNurlan MA, Lawson WE. Effect of coenzyme q10 on myopathic symptoms in patients treated with statins. American Journal of Cardiology, 2007. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov ↑

  10. Young JM, Florkowski CM, Molyneux SL, et al. Effect of coenzyme Q(10) supplementation on simvastatin-induced myalgia. American Journal of Cardiology, 2007. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov ↑

  11. Langsjoen PH, Langsjoen AM. Comparison study of plasma coenzyme Q10 levels in healthy subjects supplemented with ubiquinol versus ubiquinone. Clinical Pharmacology in Drug Development, 2014. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov ↑

  12. EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA) Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to coenzyme Q10 and contribution to normal energy-yielding metabolism (ID 1508, 1512, 1720, 1912, 4668), maintenance of normal blood pressure (ID 1509, 1721, 1911), protection of DNA, proteins and lipids from oxidative damage (ID 1510), contribution to normal cognitive function (ID 1511), maintenance of normal blood cholesterol concentrations (ID 1721) and increase in endurance capacity and/or endurance performance (ID 1913) pursuant to Article 13(1) of Regulation (EC) No 1924/2006. EFSA Journal, 2010. efsa.europa.eu ↑